Es ist Wahlkampf und jede Aussage, auch die kleinste Forderung einer Partei, kann zum medialen Hit werden. Aktuell: Nach den Grünen soll es künftig eine Bundesförderung für Lastenräder mit etwa 1000 Euro pro Anschaffung geben. Die Idee ist nicht ganz neu und hat Potential. Auch Kaufprämien können ein Mittel sein.

Die Grünen äußerten im Rahmen des ARD-Sommerinterviews 2021 die Idee einer Förderung von bis zu einer Million Lastenrädern mit jeweils 1000 Euro. Der Zuschuss solle auch Privatkäufern gewährt werden. Derzeit können lediglich Unternehmen, Kommunen oder Vereine eine solche Förderung beantragen. Einige politische Akteure reagierten prompt empört, andere sind von der Idee begeistert. Zentraler Kritikpunkt ist, dass die Gemeinschaft für Kosten aufkommt, die nur wenige Menschen in urbanen Ballungsräumen Nutzen bringt. Unter Betrachtung der sogenannten externen Kosten des Straßenverkehrs von etwa 140 Mrd. Euro (im Jahr 2017, infras-Studie), also den Kosten, die durch die Mobilitätsteilnehmenden verursacht, aber nicht von ihnen getragen werden, erscheinen die derzeit diskutierten 1 Mrd. Euro Zuschuss durchaus gering. Dies gilt besonders dann, wenn das Lastenrad tatsächlich als Alternative zum privaten PKW angeschafft und genutzt wird.

Neu ist die Idee nicht: Lastenräder und E-Lastenräder wurden bereits in der Vergangenheit auch für Privatkäufer auf kommunaler bzw. Landesebene gefördert, etwa in NRW. Die Kontingente für Privatkäufer haben sich jedoch, bedingt durch die hohe Nachfrage während der Corona-Pandemie im Jahr 2020, bereits erschöpft. Die Nachfrage ist demnach vorhanden. Zudem können insbesondere E-Lastenräder Pedelecs bei geeigneter Infrastruktur auch auf längeren Strecken etwa in ländlichen Gebieten eine echte Alternative darstellen. Bei relativ hohen Geschwindigkeiten mit entsprechender Unterstützung verlängern sich Fahrzeiten im Vergleich zum PKW nur minimal.

Im Kontext Verkehrswende könnte ein Mix aus Push- und Pullfaktoren genutzt werden, wie es andere Länder wie etwa Frankreich und Finnland in sogenannten „Cash-for-clunkers“-Initiativen umsetzen, bzw. umsetzen wollen. Gemeint ist eine Art Abwrackprämie, die das Eintauschen eines alten Verbrennerfahrzeugs mit der Kaufprämie für ein E-Auto, ein E-Bike, Lastenrad oder ein ÖPNV-Abo belohnt.