In vielen Städten wie auch in der Nachbarstadt Solingen sind E-Scooter bereits seit einiger Zeit unterwegs. Aktuell diskutiert die Stadt Wuppertal nachzuziehen. Einerseits bieten die elektrischen Leihroller großes Potenzial im Kontext Verkehrswende, andererseits scheinen sich Negativberichte zu häufen. Auch die Umweltbilanz ist zumindest fragwürdig.

Wie die Westdeutsche Zeitung berichtet, zeigt der Leihroller-Anbieter TIER Interesse an einer Einführung seiner Scooter im Raum Wuppertal. Dies hat eine erneute regionale Debatte über die Sinnhaftigkeit von E-Scootern entfacht, die, trotz nun mehrjähriger Erfahrung, auch in anderen deutschen Städten nach wie vor geführt wird: Handelt es sich bei den Fahrzeugen um einen gar umweltschädlichen Freizeitspaß oder ist damit eine echte Alternative geschaffen?

Verlässliche Angaben nicht nur zur Art und Weise der Nutzung, sondern bereits zur genauen Anzahl der bundesweit eingesetzten Fahrzeuge sind schwierig zu ermitteln. Ausgehend von Angaben der konkurrierenden Anbieter sind schätzungsweise 150.000 bis 200.000 Leih-Scooter in Deutschland unterwegs. Angesichts dieser Zahlen und der gefühlten Omnipräsenz der Scooter in einigen Großstädten – insbesondere das Abstellen auf Gehwegen ist ein häufig wahrgenommenes Problem –, liegt die Vermutung nahe, es handele sich um eine echte Mobilitätsalternative.

Das Urteil: (Noch) nicht ganz. Nach repräsentativen Befragungen, wie etwa dem Mobilitätspanel MOBICOR des infas-Instituts und des Wissenschaftszentrums Berlin (WZB), gaben in der ersten Hälfte 2020 lediglich vier Prozent der Befragten an, zumindest hin und wieder E-Scooter oder Leihräder zu nutzen. In Großstädten kommen diese Angebote auf etwa acht Prozent. Die TU Dresden hat sich im August und September 2020 das Nutzungsverhalten der Scooter genauer angeschaut. Das Ergebnis der nicht repräsentativen Studie: Etwa 75% der Nutzer*innen gaben an, aus Freizeitzwecken zu fahren. Nur etwa vier Prozent der Fahrten ersetzt eine Autofahrt. Hauptsächlich fallen Wege zu Fuß und mit dem ÖPNV weg.

Nicht erst seit Berichten über mehr als 500 E-Scooter auf dem Grund des Rheins und anderer Gewässer steht auch die Frage der Umweltbilanz im Raum. Wie das Umweltbundesamt urteilt, bringen E-Scooter im städtischen Umfeld mit einem gut ausgebauten ÖPNV-Netz sowie aufgrund des Nutzungsverhaltens eher Nachteile für die Umwelt mit sich. Obwohl die Ökobilanz deutlich besser sei als beim Auto, sind E-Scooter im Vergleich zum praktikableren Fahrrad die deutlich umweltschädlichere Variante.

Den vollen Bericht des Umweltbundesamtes finden Sie hier.