Die Idee autofreier Innenstädte kursiert bereits seit einigen Jahren. In Barcelona wurden längst erfolgreich sogenannte „Superblocks“ eingeführt. Die Corona-Pandemie und das veränderte Mobilitätsverhalten haben der Idee auch anderswo neuen Auftrieb verliehen.

Im Durschnitt liegt die Parkquote eines PKW bei 96%. Das bedeutet, ein PKW wird lediglich 4% seiner Lebenszeit genutzt. Insbesondere Stadtbewohner*innen haben sich über Jahrzehnte an den Anblick gewöhnt: Am Bürgersteig, dem Seitenstreifen oder auf der Fahrbahn, PKW reiht sich an PKW reiht sich an PKW reiht sich an…. Erst ein bewusster Blick auf die direkte Lebensumwelt macht deutlich, der Großteil der Stadtbewohner*innen lebt auf einem asphaltierten PKW-Parkplatz. Gleichzeitig wachsen die zunehmende Luftverschmutzung und der Mangel an Grünflächen zu einem weltweiten Problem heran.

Bereits im Jahr 2017 entstand in Barcelona der erste Superblock. Die Idee ist denkbar einfach: Anstelle einer Straße entstehen Parks, Spielanlagen, Gastronomie- und Handelsflächen und damit Lebensqualität. Der Superblock gilt in Barcelona als ein Erfolgsmodell.

Viele andere Städte haben im Rahmen der Corona-Krise das Potenzial autofreier Straßen erkannt. So sind Pop-Up-Radwege oder Parks entstanden, also zeitlich befristete Umbauten von zuvor dem PKW vorbehaltender Orte im innerstädtischen Bereich. Langfristig kann die Erfahrung der Corona-Krise in dieser Hinsicht einen positiven Einfluss haben. Aufbauend auf der Idee der autofreien Stadt wurden kürzlich in einigen Metropolen infrastrukturelle Großprojekte beschlossen, wie etwa der Umbau des Champs Elysee in eine fuß- und fahrradfreundliche Flaniermeile.

Es muss jedoch nicht gleich der Champs Elysee sein. Auch der Wandel muss sich nicht von heute auf morgen vollziehen. Die Effekte eines radikalen Eingriffs in den Straßenverkehr sind schwer abzuschätzen. Zudem kann ein solches Konzept nur mit einem integrierten Mobilitätskonzept funktionieren. Zeitlich befristete Modellprojekte, wie etwa das in Bielefeld diskutierte und partizipativ entwickelte Vorhaben einer über den Sommer 2021 autofreien Altstadt können jedoch als Testlabore fungieren um Erfahrung zu positiven wie negativen Auswirkungen zu sammeln.