Wie verändert sich das Verkehrsverhalten der Bevölkerung, wenn der ÖPNV gratis genutzt werden kann? Forscher*innen des ILS – Instituts für Landes- und Stadtentwicklungsforschung haben dies in einem Pilotprojekt im Bielefelder Stadtteil Sennestadt erforscht. Erste Ergebnisse liegen nun vor.

Insgesamt erhielten 1200 Personen ab 18 Jahren aus rund 750 Wohneinheiten in der Zeit zwischen Anfang 2019 und Ende 2020 das sogenannte SennestadtTicket. Mit dem Ticket wurde den Bewohner*innen die Möglichkeit gegeben, im Geltungsbereich Sennestadt den kompletten ÖPNV rund um die Uhr kostenlos zu nutzen. Das Abo konnte für einen stark reduzierten Preis auf ganz Bielefeld erweitert werden. 

Insgesamt wurden zwei begleitende Befragungen durchgeführt. Die erste Befragung fand vor der Einführung des Tickets statt, die zweite evaluierende Befragung während der Laufzeit der Pilotphase. Beide Befragungen konnten noch vor dem Beginn der Corona-bedingten Beschränkungen im März 2020 abgeschlossen werden. Die Gruppe der Befragten ist eher weiblich, älter, hat ein geringes Bildungsniveau und geringes Einkommen und verfügt seltener über ein eigenes Auto.

Spannend sind die Ergebnisse hinsichtlich einer klima-gerechten und nachhaltigen Stadtentwicklung aber auch hinsichtlich der Frage, inwiefern zukünftige Smart Cities zur Verbesserung der Lebensqualität aller Bewohner*innen beitragen können. So zeigt sich zwar einerseits, dass sich die Nutzung des Autos nicht signifikant geändert hat. Andererseits aber gaben die Befragten an, ÖPNV-Angebote häufiger genutzt zu haben und mobiler zu sein als zuvor. Zudem ließen sich die täglichen Erledigungen leichter bewerkstelligen. Die ist eine wichtige Erkenntnis insbesondere vor dem Hintergrund der Sozialstruktur der Befragten. Die Senkung von Mobilitätshindernissen ist in diesem Sinne auch immer eine Förderung gesellschaftlicher Teilhabe, von Integration und Inklusion.

Den ersten Kurzbericht zur SennestadtTicket-Evaluation finden Sie hier